Erste HilfeMathematik

Zahlen zerlegen und zusammensetzen

Die 7 ist 5 und 2, aber auch 4 und 3 oder 6 und 1. Wer das sicher weiß, braucht nicht mehr zu zählen.

7 = 4 + 3Der Stift „zerlegt“ den Streifen.
Grundvorstellung 2

Warum Zerlegungen das Werkzeug fürs Rechnen sind

Die zentrale Erkenntnis für das Rechnen lautet: Zahlen bestehen aus anderen Zahlen. Wer das verstanden hat, kann Aufgaben über Beziehungen lösen statt durch Abzählen.

Besonders deutlich wird das beim Zehnerübergang. 7 + 5 rechnet man leicht, wenn man die 5 in 3 und 2 zerlegen kann: 7 + 3 = 10, dann + 2 = 12. Oder man sieht 5 + 5 und noch 2.

Darum sollte das Zerlegen im ganzen Anfangsunterricht ein Dauerschwerpunkt sein – nicht ein Thema, das nach zwei Wochen abgehakt ist.

7 + 5 über die Zehn
7 + 3 = 10, dann + 2 = 12
Die erste Reihe wird aufgefüllt, der Rest kommt in die zweite.
Muster sehen statt auswendig lernen

Alle Zerlegungen der 7

Werden alle Zerlegungen einer Zahl geordnet untereinander geschrieben, entsteht ein Muster: Ein Teil wird um eins größer, der andere um eins kleiner. Kinder, die dieses Muster sehen und beschreiben, beginnen zu verstehen.

Besonders wichtig sind die Zerlegungen der 10: 9 und 1, 8 und 2, 7 und 3, 6 und 4, 5 und 5. Sie sind der Schlüssel zum Zehnerübergang.

  1. 0 + 7 = 7
  2. 1 + 6 = 7
  3. 2 + 5 = 7
  4. 3 + 4 = 7
  5. 4 + 3 = 7
  6. 5 + 2 = 7
  7. 6 + 1 = 7
  8. 7 + 0 = 7
Schritt für Schritt

Eine sinnvolle Reihenfolge

Eine treppenartige Reihenfolge wird heute nicht mehr als Grundlage und Voraussetzung für Lernen erachtet, sondern eher die Vorstellung eines Netzes mit immer festeren Knoten darin.

  1. Bis 5am Fingerbild einer Hand
  2. Bis 10besonders die Zerlegungen der 10 selbst
  3. Verdoppelnund Halbieren bis 20: 6 + 6, 7 + 7 …
  4. Bis 20über die Zehn: 14 = 10 + 4
  5. Zehnerübergang8 + 5 = 8 + 2 + 3
Analoge Förderideen

Für zu Hause und im Unterricht

Echtes Material kommt vor der App. Jede Idee dauert nur wenige Minuten und braucht nichts, was nicht in jedem Haushalt oder Klassenzimmer liegt.

7 = 4 + 3

Punktestreifen und Stift

MaterialPunktestreifen bis 10 (Druckvorlage), ein Stift

Legen Sie einen Stift quer zwischen die Punkte. „Wie viele links, wie viele rechts?“ Dann den Stift eine Stelle weiter schieben: Was ändert sich?

Tipp: Erst die 7 als 5 und 2 – die Fünferstruktur hilft. Später 4 und 3 nach kurzem Hinsehen.

?7 Kugeln – links 4, rechts?

Schüttelbox

MaterialSchachtel mit Trennwand, z. B. sieben Kugeln oder Murmeln

Die Box wird geschüttelt, eine Seite bleibt verdeckt. „Links liegen 3 – wie viele sind rechts?“ Erst vermuten, dann nachsehen.

Tipp: Immer begründen lassen: „Woher weißt du das?“

?10 Plättchen – 6 sind zu sehen

Räuberhöhle

MaterialGegenstände in Fünferstruktur, ein Becher

Eine bekannte Anzahl wird geordnet hingelegt, ein Teil verschwindet unter dem Becher – in der Räuberhöhle. Das Kind nennt den versteckten Teil.

Tipp: Kurz und oft spielen, höchstens 5 Minuten. Zuerst bis 7, dann bis 10.

+?oben + unten = immer 7

Würfel-Trick

MaterialEin Spielwürfel

Gegenüberliegende Seiten eines Würfels ergeben immer 7. „Oben liegt die 5 – was liegt unten?“ Das Kind prüft durch Umdrehen.

Tipp: Nach einigen Runden fragen: „Warum klappt das immer?“

6+?=10

Auf die Zielzahl ergänzen

MaterialZiffernkarten 0 bis 10

Eine Karte wird gezogen: „Was fehlt bis 10?“ Später: „Was fehlt bis 20?“

Tipp: Die Zerlegungen der 10 sind der Schlüssel zum Zehnerübergang. Hier lohnt sich jede Minute.

1 + 9 = 102 + 8 = 103 + 7 = 104 + 6 = 105 + 5 = 10

Alle Zerlegungen finden

MaterialPapier, Stift, Punktestreifen

„Welche Plusaufgaben haben das Ergebnis 10?“ Die Aufgaben werden geordnet untereinander geschrieben. Am Ende gemeinsam auf die Liste schauen.

Tipp: „Was fällt dir auf?“ – Ein Teil wird um eins größer, der andere um eins kleiner.

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Zehnerfreunde

Materialselbst gemachte Zahlenkarten 1 bis 9 (oder Karten aus einem Kartenspiel), eine Tischklingel

Karten werden nacheinander aufgedeckt. Wer zuerst zwei Karten findet, die zusammen 10 ergeben, klingelt und bekommt das Paar.

Tipp: Erst spielen, wenn die Zerlegungen schon sitzen – sonst wird unter Zeitdruck gezählt.

Druckvorlage

Punktestreifen bis 10

Streifen 1 bis 10 in Fünferstruktur zum Ausschneiden – für Blitzblick, Stift-Zerlegung und Räuberhöhle.

EHM-Apps zur Zahlzerlegung

Fünf Apps mit klarem Auftrag

Die Apps laufen direkt hier auf der Seite – am besten auf dem Tablet, am PC auch mit Maus und Tastatur. Auf dem Smartphone ist der Bildschirm zu klein.

Startbild der App Zahlen mit Punktstreifen zerlegen▶ Starten

Zahlen mit Punktstreifen zerlegen

Den Zehnerstreifen mit dem Stift trennen und alle Zerlegungen einer Zahl finden.

So setzen Sie die App ein: Nach jeder Zerlegung fragen: „Wie viele links, wie viele rechts? Und wenn ich den Stift eins weiter setze?“

Startbild der App Kugeln in der Box▶ Starten

Kugeln in der Box

Die digitale Schüttelbox: Wie viele Kugeln liegen in der verdeckten Kammer?

So setzen Sie die App ein: Erst mit der echten Schüttelbox spielen, dann die App. Im Übungsmodus erst sagen lassen, dann tippen.

Startbild der App Mengenpuzzle▶ Starten

Mengenpuzzle

Zu Zielzahl und vorhandener Menge die passende Ergänzungskarte finden – mit zwei oder drei Teilen.

So setzen Sie die App ein: Später die leeren Kreise ausschalten: Dann muss sich das Kind die fehlende Menge vorstellen.

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Ergebniszahl sucht Plusaufgaben

Möglichst alle Plusaufgaben zu einer Ergebniszahl bis 25 finden – mit Zahlen oder Punkten.

So setzen Sie die App ein: Am Ende die Liste anschauen: „Was fällt dir auf?“ Ein Teil wird größer, der andere kleiner.

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Kartenblitz

Schnell zwei Karten finden, die zusammen die Zielzahl ergeben – allein oder zu zweit.

So setzen Sie die App ein: Erst spielen, wenn die Zerlegungen der Zielzahl am Streifen schon sicher sind. Sonst wird unter Zeitdruck gezählt.

Beobachten

Zählt das Kind auch in der App? Dann zurück zum Punktestreifen und zur Schüttelbox. Eine App ist nur so gut wie der Auftrag, den man ihr gibt.

Aus der Förderpraxis

Ein Erlebnis wiederholt sich bei vielen Kindern: Nach einigen Wochen mit Punktestreifen und Schüttelbox lösen sie Aufgaben wie 6 + 7 plötzlich mit „6 plus 6 sind 12, plus 1 sind 13“. Niemand hat ihnen diesen Weg beigebracht. Sie haben ihn gefunden, weil sie die Zahlen jetzt als zusammengesetzt sehen.

Für Lehrkräfte
  • Teil-Ganzes-Verständnis: Ein Kind erkennt, dass ein Ganzes aus Teilen besteht und sich daraus Beziehungen ableiten lassen (Resnick 1983).
  • Strategien statt Einzelfakten: Nicht einzelne Zerlegungen automatisieren, sondern die Strategie dahinter (Höveler et al. 2022).
  • Zerlegen ist nicht Addieren: Beim Zerlegen ist das Ganze bekannt, die Teile werden gesucht. Diese Umkehrung muss eigens Thema sein.
  • Zerlegungshäuser, Schüttelbox und Kraft-der-Fünf-Zerlegungen gehören als eigenes Thema in den Unterricht.